GOÄ-Rechnung verstehen: Ziffern, Faktoren und Kosten
Letzte Aktualisierung: 16.10.2026
Die GOÄ ist die Gebührenordnung für Ärzte. Sie bestimmt, wie Privatpatienten und Selbstzahler für ärztliche Leistungen abgerechnet werden. Auf der Rechnung stehen die Leistung, die GOÄ-Ziffer, der Steigerungsfaktor und der Betrag.
Was ist die GOÄ?
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist eine Bundesverordnung, die regelt, wie Ärzte ihre privatärztlichen Leistungen abrechnen dürfen. Sie enthält Gebührenpositionen mit Punktzahlen und Gebührenrahmen. Der Rechnungsbetrag ergibt sich aus der jeweiligen Leistung und dem angewandten Steigerungsfaktor. Rechtsgrundlage ist die GOÄ 1982 in ihrer aktuellen Fassung; der Punktwert wurde zuletzt 1996 angepasst.
Die GOÄ gilt für Privatpatienten (PKV-Versicherte) und Selbstzahler, die ohne Krankenversicherungsschutz behandelt werden. Auch gesetzlich Versicherte (GKV-Patienten) können mit der GOÄ in Berührung kommen — etwa bei individuell vereinbarten Selbstzahlerleistungen. Eine Notfallbehandlung lässt sich nicht pauschal als privatärztliche GOÄ-Leistung einordnen; bei Fragen klären Sie den Abrechnungsweg mit Praxis und Krankenkasse.
GOÄ-Nummern und das Leistungsverzeichnis
Die GOÄ umfasst ein umfangreiches Leistungsverzeichnis mit Gebührenpositionen, die jeweils mit einer GOÄ-Ziffer (auch GOÄ-Nummer) versehen sind. Jede Ziffer beschreibt eine konkrete ärztliche Tätigkeit — von der kurzen Beratung (GOÄ 1) über die körperliche Untersuchung (GOÄ 5, 7) bis hin zu spezialisierten diagnostischen oder operativen Eingriffen.
Auf einer GOÄ-Rechnung müssen insbesondere Leistungsdatum, Nummer und Bezeichnung einschließlich einer gegebenenfalls genannten Mindestdauer, Betrag und Faktor stehen (§ 12 GOÄ). Patienten haben das Recht, eine detaillierte Rechnung zu verlangen und bei Unklarheiten Erläuterungen einzufordern.
GOÄ-Abrechnung und Ziffern schnell einordnen
Eine GOÄ-Rechnung besteht nicht nur aus einer Gesamtsumme. Sie führt die einzelnen Leistungen mit GOÄ-Ziffer, Datum, Faktor und Betrag auf. Prüfen Sie zuerst, ob die Leistungsbeschreibung zum Termin passt; anschließend können Sie einzelne Ziffern gezielt nachschlagen.
Beispiel: So lesen Sie eine Rechnungsposition
- Leistungsbeschreibung und Ziffer
- Benennen die abgerechnete ärztliche Leistung.
- Leistungsdatum
- Ordnet die Position einem konkreten Behandlungstag zu.
- Steigerungsfaktor
- Zeigt, mit welchem Faktor der Einfachsatz berechnet wurde.
- Betrag
- Ist das Ergebnis aus GOÄ-Vorgaben und angewandtem Faktor.
Einfachsatz, Regelleistung, Höchstsatz — der Steigerungsfaktor
Der Betrag ergibt sich aus Punktzahl × Punktwert × Steigerungsfaktor. Der Punktwert beträgt 0,0582873 €. Erst der vollständige Positionsbetrag wird auf Cent gerundet. Die Multiplikation eines bereits gerundeten Einfachsatzes kann einen Centfehler verursachen.
- 1,0× (Einfachsatz): Ausgangspunkt der Gebührenberechnung.
- Bis 2,3×: Für persönliche ärztliche Leistungen ist innerhalb dieses Gebührenrahmens keine Begründung wegen eines überdurchschnittlichen Aufwands erforderlich.
- Über 2,3× bis 3,5×: Der überdurchschnittliche Aufwand muss auf der Rechnung nachvollziehbar begründet werden. Für technische und Laborleistungen gelten abweichende Faktoren.
Mehr Details dazu im Artikel: GOÄ Steigerungsfaktor erklärt — 1-fach bis 3,5-fach.
GOÄ-Rechnung prüfen: Diese Angaben sollten enthalten sein
Eine GOÄ-Rechnung soll nachvollziehbar machen, welche Leistungen berechnet wurden. Prüfen Sie insbesondere, ob Datum, Leistungsbeschreibung, GOÄ-Ziffer, Betrag und Steigerungsfaktor einzeln aufgeführt sind. Bei Unklarheiten können Sie die Praxis um eine Erläuterung bitten.
- Leistungsdatum und Behandlungsanlass mit Ihren Unterlagen abgleichen.
- GOÄ-Ziffer und Leistungsbeschreibung auf der Rechnung prüfen.
- Steigerungsfaktor und bei erhöhtem Faktor die Begründung nachvollziehen.
- Bei offenen Fragen vor der Zahlung eine verständliche Erläuterung der Praxis anfordern.
Die formalen Anforderungen an die Rechnung regelt § 12 GOÄ.
Wer muss nach GOÄ abrechnen?
Alle approbierten Ärzte in Deutschland sind bei privatärztlichen Behandlungen an die GOÄ gebunden — unabhängig davon, ob sie in einer Praxis, einem Krankenhaus oder als Belegarzt tätig sind. Ausgenommen ist lediglich die kassenärztliche Versorgung von GKV-Patienten, die nach dem EBM abgerechnet wird.
Für Zahnärzte gilt grundsätzlich die GOZ; § 6 Abs. 2 GOZ erlaubt zusätzlich bestimmte GOÄ-Leistungen. Das Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker ist dagegen keine der GOÄ gleichgestellte gesetzliche Gebührenordnung.
GOÄ vs. EBM: Was ist der Unterschied?
| Merkmal | GOÄ | EBM |
|---|---|---|
| Gilt für | Privatpatienten, Selbstzahler | GKV-Versicherte |
| Abrechnung | Arzt ↔ Patient direkt | Arzt ↔ Kassenärztliche Vereinigung |
| Preisgestaltung | Leistungsabhängige Rahmen: 1,0–3,5 / 1,0–2,5 / 1,0–1,3 | Feste Pauschalen, kein Faktor |
| Rechnung an | Patient (zur Erstattung durch PKV) | Keine Rechnung an GKV-Patient |
Wann kommt die GOÄ auf Kassenpatienten zu?
Auch als GKV-Versicherter kann es vorkommen, dass Sie nach GOÄ abrechnen lassen oder selbst zahlen müssen:
- IGeL-Leistungen — z. B. Glaukom-Vorsorge, Hautscreening oder Ultraschall auf eigenen Wunsch
- Selbst beauftragter Privatarzt — Sie wählen bewusst einen Arzt, der nur Privatpatienten behandelt
- Privat bezahlte Zweitmeinung — Wenn Sie außerhalb des Kassensystems eine weitere ärztliche Einschätzung einholen
- Kostenerstattung — etwa nach vorheriger Wahl gemäß § 13 Abs. 2 oder bei notwendigen selbstbeschafften Leistungen unter den Voraussetzungen des Abs. 3 SGB V. Notfälle und ihre Abrechnung sind gesondert zu prüfen.
Vor jeder privatärztlichen Behandlung als Kassenpatient sollten Sie eine schriftliche Kostenaufstellung anfordern. Ist die vollständige Kostenübernahme nicht gesichert, muss die Praxis Sie vor Beginn in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren (§ 630c Abs. 3 BGB).
Quellen & Rechtsgrundlagen
- Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), Stand 1982/1996 — gesetze-im-internet.de
- Bundesärztekammer: Gebührenrecht GOÄ
- PKV Verband: Abrechnung ärztlicher Leistungen nach GOÄ
GOÄ-Angaben anhand der amtlichen Fassung geprüft: 16.10.2026.
Häufige Fragen zur GOÄ
Für wen gilt die GOÄ?
Die GOÄ gilt für alle privatärztlichen Leistungen in Deutschland. Das betrifft Privatpatienten (PKV), Selbstzahler ohne Krankenversicherung sowie Kassenpatienten, die freiwillig Privatleistungen (z. B. IGeL) in Anspruch nehmen. Kassenärztliche Leistungen für GKV-Patienten werden nicht nach GOÄ, sondern nach dem EBM abgerechnet.
Was bedeutet GOÄ-Ziffer?
Eine GOÄ-Ziffer bezeichnet eine Leistung mit festgelegter Punktzahl. Die Rechnung muss insbesondere Leistungsdatum, Nummer und Bezeichnung einschließlich einer gegebenenfalls genannten Mindestdauer, Betrag und Faktor enthalten (§ 12 GOÄ). Punktzahl und gesonderter Einfachsatz sind keine allgemeinen Pflichtfelder jeder Rechnung.
Kann ein Arzt die GOÄ ablehnen und eigene Preise nehmen?
Ärztliche Privatleistungen unterliegen grundsätzlich der GOÄ, soweit kein Bundesgesetz etwas anderes bestimmt. Abweichende Honorarvereinbarungen sind nur nach den Voraussetzungen des § 2 zulässig; für die Abschnitte A, E, M und O sind sie ausgeschlossen. Eine bloße freie Preisabsprache ersetzt diese Regeln nicht.
Was ist der Unterschied zwischen GOÄ und EBM?
Der EBM (Einheitlicher Bewertungsmaßstab) ist die Abrechnungsgrundlage für vertragsärztliche Leistungen im GKV-System. Die GOÄ gilt für Privatpatienten und Selbstzahler. Ein GKV-Patient wird beim Kassenarzt nach EBM abgerechnet — der Arzt rechnet nicht mit dem Patienten direkt ab, sondern mit der Kassenärztlichen Vereinigung.
Wird die GOÄ reformiert?
Eine Reform wird vorbereitet. Nach der amtlich geltenden Fassung und dem Stand der Bundesärztekammer am 16.10.2026 ist noch keine neue GOÄ in Kraft. Ein Reformvorschlag ist kein geltendes Gebührenrecht. Die Berechnungen verwenden das geltende Gebührenverzeichnis.
Redaktion, Quellen und Methodik
Redaktionell verantwortlich: Michael Sack. Diese Seite wurde am 16.10.2026 im Rahmen des redaktionellen GOÄ-Quellenabgleichs redaktionell überprüft. Das ist ein redaktioneller Quellenabgleich, keine fachärztliche oder gebührenrechtliche Expertenprüfung.
Grundlage der Gebührenbeispiele ist die amtliche Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) einschließlich Gebührenverzeichnis. Einzelgebühren werden aus Punktzahl, zugehörigem Punktwert und Faktor berechnet. Gebührenbeispiele sind keine erhobenen Marktpreise, vollständigen Behandlungspreise oder Erstattungszusagen. Weitere Quellen und Einschränkungen stehen bei den jeweiligen Angaben.
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