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GOÄ Steigerungsfaktor: Was bedeutet 1-fach, 2,3-fach und 3,5-fach?

Letzte Aktualisierung: 16.10.2026

Was ist der Steigerungsfaktor?

Der Steigerungsfaktor ist eine der wichtigsten Kennzahlen auf jeder GOÄ-Rechnung. Er legt fest, mit welchem Vielfachen des gesetzlichen Einfachsatzes eine Leistung berechnet wird. Der Arzt wählt diesen Faktor in Abhängigkeit vom individuellen Aufwand der Behandlung — Schwierigkeit, Zeitaufwand und besondere Umstände des Einzelfalls spielen dabei eine Rolle.

Der Steigerungsfaktor ist gesetzlich geregelt und schützt Patienten vor unkontrollierbaren Kostensteigerungen. Gleichzeitig ermöglicht er Ärzten, den tatsächlichen Aufwand einer Behandlung fair abzubilden.

Faktorrahmen und Beispiele nach Leistungsart

Die folgenden Erläuterungen zu 2,3 und 3,5 betreffen den grundsätzlichen Rahmen. Für Abschnitte A, E und O gelten 1,8/2,5, für Labor nach § 5 Abs. 4 GOÄ 1,15/1,3. Ein EKG nach 651 oder Ultraschall nach 410 fällt nicht allein wegen des Geräteeinsatzes unter den reduzierten Rahmen. Die Tabelle ist eine Auswahl, keine kombinierbare Musterrechnung.

Einzelgebühren, keine Behandlungspauschalen. Faktorrahmen je Position; Stand 16.10.2026. Quelle: Amtliches GOÄ-Gebührenverzeichnis. Rechenweg und Rundung.
Leistung / GOÄPunkte1,0×RegelhöchstsatzHöchstsatz
Beratung (1)

Beratung, auch telefonisch; keine feste Mindestdauer. Neben Leistungen C bis O im Behandlungsfall nur einmal; Ausschlüsse etwa neben 804/806 beachten.

804,66 €10,72 €
2,3×
16,32 €
3,5×
Ultraschall eines Organs (410)

Untersuchtes Organ auf der Rechnung angeben; Ultraschall gehört hier nicht zum reduzierten Faktorrahmen des Abschnitts O.

20011,66 €26,81 €
2,3×
40,80 €
3,5×
Ruhe-EKG (651)

Ruhe-EKG mit Extremitäten- und Brustwandableitungen, mindestens neun Ableitungen; keine zusätzliche 650 für dieselbe Untersuchung.

25314,75 €33,92 €
2,3×
51,61 €
3,5×
Blutbild und Blutbildbestandteile (3550)

Laborleistung; weitere Parameter und Entnahme sind nicht automatisch enthalten.

603,50 €4,02 €
1,15×
4,55 €
1,3×
MRT Kopf (5700)

Kopf, gegebenenfalls einschließlich Hals, in zwei Projektionen gemäß Leistungslegende.

4400256,46 €461,64 €
1,8×
641,16 €
2,5×

1,0× — Einfachsatz (Mindestsatz)

Der Einfachsatz ist der Ausgangspunkt des regulären Gebührenrahmens. Für einen Faktor 1,0 innerhalb dieses Rahmens ist nicht automatisch eine abweichende Honorarvereinbarung nötig. Der konkrete Faktor richtet sich nach den gesetzlichen Bemessungsmerkmalen; ein Anspruch auf Behandlung zu einem frei gewünschten Faktor folgt daraus nicht.

2,3× — Regelhöchstsatz des grundsätzlichen Rahmens

Der 2,3-fache Satz ist der gesetzliche Schwellenwert: Bis zu diesem Faktor darf der Arzt abrechnen, ohne allein wegen der Überschreitung des Schwellenwerts eine Begründung anzugeben. Die Bemessung muss dennoch § 5 GOÄ entsprechen. Für Labor und die Abschnitte A, E und O gelten andere Schwellenwerte.

3,5× — Höchstsatz (besondere Umstände)

Der 3,5-fache Satz ist die Obergrenze des grundsätzlichen Gebührenrahmens, nicht aller GOÄ-Leistungen. Er darf nur bei außergewöhnlichem Aufwand angewandt werden und erfordert zwingend eine individuelle schriftliche Begründung auf der Rechnung, die den konkreten Mehraufwand für diesen Patienten erklärt — pauschale Formulierungen reichen nicht aus.

Wann darf der Arzt über 2,3 hinausgehen?

Ein Faktor über 2,3 ist zulässig, wenn der Arzt Umstände wie außergewöhnliche Schwierigkeit, ungewöhnlichen Zeitaufwand oder besondere Erschwernisse bei der Ausführung einer Leistung begründen kann. Diese Begründung muss:

  • auf der Rechnung stehen (nicht nachträglich mündlich mitgeteilt werden)
  • patientenindividuell sein — keine Standardformulierungen
  • die konkrete medizinische Situation des Einzelfalls beschreiben

Erhalten Sie eine Rechnung mit einem Faktor über 2,3 ohne Begründung, können Sie schriftlich Erläuterung verlangen. Die Ärztekammer kann je nach Zuständigkeit beraten oder vermitteln; sie entscheidet nicht automatisch verbindlich über jeden zivilrechtlichen Streit.

Kann ich den Faktor verhandeln? Ihre Patientenrechte

Klären Sie vorab den geplanten Faktor. Eine abweichende Honorarvereinbarungnach § 2 GOÄ setzt unter anderem persönliche Absprache und eine schriftliche Vereinbarung vor Erbringung der Leistung voraus. Für A, E, M und O ist sie ausgeschlossen. Notfall- und akute Schmerzbehandlungen dürfen nicht von einer solchen Vereinbarung abhängig gemacht werden.

Nach der Behandlung können Sie eine erhaltene Rechnung prüfen lassen — etwa durch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) oder Ihre Krankenversicherung. Eine überhöhte Rechnung ohne korrekte Begründung ist anfechtbar.

Beispielrechnung: GOÄ Nr. 1 (Kurzberatung)

GOÄ Nr. 1 bezeichnet eine Beratung, auch telefonisch. Die Legende enthält keine feste Fünf-Minuten-Grenze. Der Einfachsatz beträgt ca. 4,66 € (80 Punkte × 5,82873 Cent).

FaktorBezeichnungBetrag (GOÄ Nr. 1)
1,0×Einfachsatz (Mindestsatz)4,66 €
2,3×Regelleistung (Standard)10,72 €
3,5×Höchstsatz (mit Begründung)16,31 €

80 Punkte × 0,0582873 € × Faktor, erst danach auf Cent runden. Stand: 16.10.2026.

Faktoren im Vergleich: Wann wird welcher Satz angewandt?

FaktorBezeichnungTypischer AnlassBegründungspflicht
1,0×EinfachsatzUntergrenze des regulären RahmensNein
1,8×Zwischenfaktor im grundsätzlichen RahmenNach den Bemessungsmerkmalen des EinzelfallsNein
2,3×RegelleistungStandardbehandlung durchschnittlicher AufwandNein
3,5×HöchstsatzBesondere Bemessungsmerkmale; ein Notfall allein rechtfertigt nicht automatisch 3,5Ja — schriftlich

Häufige Fragen zum Steigerungsfaktor

Muss der Arzt den Steigerungsfaktor auf der Rechnung ausweisen?

Ja. § 12 GOÄ verlangt den Faktor je Leistung. Oberhalb des jeweiligen Regelhöchstsatzes ist eine verständliche, leistungsbezogene Begründung nötig: grundsätzlich über 2,3, in den Abschnitten A, E und O über 1,8, im Labor nach § 5 Abs. 4 über 1,15.

Kann ich als Patient den Steigerungsfaktor verhandeln?

Sprechen Sie den vorgesehenen Faktor vorab an. Ein Faktor innerhalb des Gebührenrahmens richtet sich nach den gesetzlichen Bemessungsmerkmalen und erfordert nicht allein deshalb eine besondere Vereinbarung. Abweichende Honorarvereinbarungen nach § 2 GOÄ haben strenge Formvorgaben und sind für die Abschnitte A, E, M und O ausgeschlossen.

Was passiert, wenn der Arzt über 3,5 hinausgeht?

Bei Leistungen mit regulärem Höchstsatz 3,5 kommt eine Überschreitung nur auf Grundlage einer wirksamen vorherigen Honorarvereinbarung nach § 2 GOÄ in Betracht. Das gilt nicht für jede Leistung: Die Abschnitte A, E, M und O sind ausgeschlossen. Dort lassen sich die jeweiligen Höchstfaktoren nicht auf diesem Weg überschreiten. Strittige Rechnungen individuell prüfen lassen.

Gilt der Steigerungsfaktor für alle GOÄ-Leistungen gleich?

Nein. Grundsätzlich gelten 1,0–3,5 mit Regelhöchstsatz 2,3, für Abschnitte A, E und O 1,0–2,5 mit Regelhöchstsatz 1,8 und für Labor nach § 5 Abs. 4 GOÄ 1,0–1,3 mit Regelhöchstsatz 1,15. Die Einordnung richtet sich nach der Gebührenposition, nicht allein nach dem Einsatz eines Geräts.

Quellen & Rechtsgrundlagen

GOÄ-Faktorregeln geprüft: 16.10.2026

Redaktion, Quellen und Methodik

Redaktionell verantwortlich: Michael Sack. Diese Seite wurde am 16.10.2026 im Rahmen des redaktionellen GOÄ-Quellenabgleichs redaktionell überprüft. Das ist ein redaktioneller Quellenabgleich, keine fachärztliche oder gebührenrechtliche Expertenprüfung.

Grundlage der Gebührenbeispiele ist die amtliche Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) einschließlich Gebührenverzeichnis. Einzelgebühren werden aus Punktzahl, zugehörigem Punktwert und Faktor berechnet. Gebührenbeispiele sind keine erhobenen Marktpreise, vollständigen Behandlungspreise oder Erstattungszusagen. Weitere Quellen und Einschränkungen stehen bei den jeweiligen Angaben.

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Weitere Informationen: GOÄ erklärt — Gebührenordnung verständlich | GOÄ-Preise nach Arzttyp | Kassenpatient beim Privatarzt