GOÄ-Novelle 2026/2027: Stand, Zeitplan und was gilt
Aktueller Stand: GOÄ-Reform noch nicht in Kraft (21.10.2026)
Alle Privatarzt-Rechnungen werden weiterhin nach der aktuellen GOÄ (1982, Punktwert 1996) abgerechnet. Die neue GOÄ ist in Vorbereitung, aber noch nicht verabschiedet.
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) regelt, wie viel Privatärzte für ihre Leistungen berechnen dürfen. Die aktuelle GOÄ stammt von 1982 — der Punktwert wurde zuletzt 1996 angepasst. Eine umfassende Reform (GOÄ-Novelle) ist seit Jahren geplant, aber noch nicht in Kraft getreten.
Stand: 21.10.2026. Quellen: Bundesärztekammer zur GOÄ-Novellierung, gemeinsame Pressemitteilung BÄK/PKV-Verband vom 31.07.2026 und Pressemitteilung vom 29.05.2025. Entwurf und geltendes Recht sind zu unterscheiden.
Kurzantwort: Ändert sich 2027 etwas an Ihrer Arztrechnung?
- • Nein, nicht durch die Novelle. Auch 2027 gilt die bestehende GOÄ, sofern bis dahin keine neue Verordnung in Kraft tritt. Bisher ist nicht einmal der Referentenentwurf des BMG veröffentlicht.
- • Frühester realistischer Start: 01.01.2028 — so die Einschätzung von BÄK und PKV-Verband. Das ist eine Erwartung, kein Beschluss.
- • Abgerechnet wird nach dem Recht zum Behandlungszeitpunkt. Es gibt keine Rückwirkung auf Behandlungen vor einem späteren Inkrafttreten.
- • Der Entwurf kann sich noch ändern. Er wurde im Juli 2026 bereits aktualisiert, und das Verordnungsverfahren steht noch aus.
Zeitplan der GOÄ-Reform
- 1983
Die heutige GOÄ (Verordnung von 1982) tritt in Kraft — Leistungskatalog und Punktsystem
- 1996
Letzte umfassende Überarbeitung; heutiger Punktwert 5,82873 Cent (0,0582873 €), seither unverändert
- Mai 2025
Der 129. Deutsche Ärztetag stimmt dem gemeinsamen Entwurf von Bundesärztekammer (BÄK) und PKV-Verband mit großer Mehrheit zu
- Juni 2025
Entwurf wird dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) übergeben
- Juli 2026
BÄK und PKV-Verband übermitteln eine aktualisierte Entwurfsfassung; das BMG bereitet den Referentenentwurf vor
- 2027
Offen: Referentenentwurf, Verbändeanhörung und Verordnungsverfahren (Zustimmung des Bundesrates erforderlich). Für 2027 ist kein Inkrafttreten angekündigt
- Ausblick 2028
BÄK und PKV-Verband halten ein Inkrafttreten zum 01.01.2028 für erreichbar; ein feststehender Termin ist das nicht
Was der gemeinsame Entwurf von BÄK und PKV-Verband vorsieht
Die folgenden Punkte geben die Darstellung der Entwurfsautoren (Bundesärztekammer und PKV-Verband, Pressemitteilung vom 29.05.2025) wieder. Sie sind keine geltenden Regeln und keine neutrale Bewertung.
- • Modernisiertes Leistungsverzeichnis: Die heutige GOÄ stammt in weiten Teilen aus den 1980er-Jahren. Digitale Leistungen, etwa die Nutzung der elektronischen Patientenakte oder telemedizinische Behandlungen, sollen erstmals systematisch abgebildet werden.
- • Ärztliche Zuwendung: Das Gespräch mit Patientinnen und Patienten soll höher bewertet werden. Entsprechend könnten Beratungsanteile in Rechnungen künftig anders gewichtet sein als heute.
- • Bewährtes bleibt: Einzelleistungsvergütung, Therapiefreiheit und der Verzicht auf eine Budgetierung sollen erhalten bleiben. Die Abrechnung bliebe also leistungsbezogen, nicht pauschal.
- • Kostenrahmen: BÄK und PKV-Verband erwarten für die ersten drei Jahre nach Inkrafttreten übereinstimmend einen Anstieg des PKV-Ausgabevolumens um 13,2 Prozent (Prognose zur 2025er-Fassung). Das ist ein Gesamtwert über alle Leistungen, keine Preissteigerung für einzelne Rechnungen. Wie sich Beiträge und Ihre persönlichen Kosten entwickeln, lässt sich daraus nicht ableiten.
- • Laufende Fortschreibung: Nach Inkrafttreten soll eine gemeinsame Kommission den Katalog weiterentwickeln. Die Fassung vom Juli 2026 nahm bereits weitere medizinische Innovationen auf und justierte das Bewertungsgefüge und einzelne Abrechnungsregeln nach.
Offen bleibt, ob das BMG den Entwurf unverändert übernimmt. Auch Kritik aus Teilen der Ärzteschaft, Beihilfeträgern und Verbänden kann das Verordnungsverfahren noch beeinflussen. Für den Einzelfall gilt: Erst eine veröffentlichte Verordnung zeigt verbindlich, wie Ziffern und Faktoren aussehen.
Was ändert sich — alt vs. neu im Überblick
Die Tabelle stellt das geltende Recht den bisher bekannten Reformplänen gegenüber. Wo der Entwurf noch keine verbindliche Aussage erlaubt, steht das ausdrücklich dort. Finale Details können abweichen.
| Bereich | Jetzt (GOÄ 1996) | Geplant (neue GOÄ) | Was bedeutet das für Sie? |
|---|---|---|---|
| Punktwert | 5,82873 Cent (seit 1996 unverändert) | Ein Entwurf ersetzt noch nicht den geltenden Punktwert | Keine verbindliche Preis- oder Beitragsprognose für den Einzelfall aus dem Reformvorhaben ableitbar. |
| Ziffernkatalog | Geltendes Verzeichnis mit Leistungslegenden und Analogregeln | Neustrukturierung mit modernisierten Leistungsbeschreibungen, neue Ziffern für digitale Leistungen | Moderne Medizin soll besser abgebildet werden. Bestimmte Fernberatungen sind bereits heute abrechenbar. |
| Steigerungsfaktoren | Regelleistung 2,3-fach (persönlich), 1,8-fach (technisch) | Für die geltende Abrechnung bleibt § 5 GOÄ maßgeblich | Ein Entwurf begründet noch keine neuen zulässigen Rechnungsfaktoren. |
| Begründungspflicht | Über dem jeweiligen Regelhöchstsatz: Begründung erforderlich | Verbindliche künftige Regeln erst aus einer wirksamen Neuregelung ableitbar | Rechnungen bleiben nachvollziehbar — Prüfrecht der Patienten bleibt bestehen. |
| Digitale Leistungen | GOÄ 1 und 3 nennen bereits Beratung auch mittels Fernsprecher | Modernisierung des Katalogs ist Teil des Reformvorhabens | Nicht jede Fernbehandlung ist bis zur Reform von der Privatabrechnung ausgeschlossen. |
Was 2027 gilt — bis eine neue GOÄ in Kraft tritt
- • Alle Privatarzt-Rechnungen werden nach der GOÄ (Verordnung von 1982) mit dem Punktwert von 1996 abgerechnet. Das gilt auch für Rechnungen, die Sie 2027 erhalten.
- • Der Regelleistungssatz bleibt bei 2,3-fach (persönliche ärztliche Leistungen).
- • Oberhalb des jeweiligen Regelhöchstsatzes ist eine Begründung nötig: grundsätzlich 2,3, in A/E/O 1,8, im Labor 1,15.
- • Höchstsätze: grundsätzlich 3,5, in A/E/O 2,5, im Labor nach § 5 Abs. 4 GOÄ 1,3. Abweichende Honorarvereinbarungen sind in A/E/M/O ausgeschlossen.
- • Unser GOÄ-Rechner arbeitet mit der aktuell gültigen GOÄ.
- • Zahnärztliche Leistungen richten sich nach der GOZ, nicht nach der GOÄ. Die GOÄ-Novelle betrifft sie nicht.
Was Sie 2027 praktisch tun können
- • Rechnung prüfen: Kontrollieren Sie Ziffern, Faktoren und Begründungen nach geltendem Recht — mit unserer Anleitung zur Rechnungsprüfung.
- • Kosten vorab schätzen: Fragen Sie vor planbaren Leistungen nach einem Kostenvoranschlag und vergleichen Sie ihn mit der Kostenliste.
- • Behandlungen nicht verschieben: Medizinisch notwendige Behandlungen sollten nicht wegen einer Gebührenreform aufgeschoben werden. Ein Termin 2027 wird nach der dann geltenden GOÄ abgerechnet.
- • Als Privatversicherter: Klären Sie bei Ihrem Versicherer, welche Faktoren Ihr Tarif erstattet. Ob und wie Beiträge nach einer Novelle steigen, lässt sich heute nicht seriös sagen.
- • Neuigkeiten verfolgen: Maßgeblich sind die BÄK-Seite zur Novellierung und künftig die Veröffentlichung des BMG-Referentenentwurfs. Diese Seite wird nach solchen Meilensteinen angepasst.
Häufige Fragen zur GOÄ-Novelle
Gilt die neue GOÄ schon 2026 oder 2027?
Stand 21.10.2026 ist keine neue GOÄ in Kraft, und für 2027 ist kein Inkrafttreten angekündigt. Die Bundesärztekammer berichtet über eine aktualisierte Entwurfsfassung vom Juli 2026 und die Vorbereitung des ministeriellen Referentenentwurfs. Als realistisch bezeichnet sie den 01.01.2028 — ein feststehender Starttermin ist das nicht.
Was ändert sich konkret für Privatpatienten?
Der Leistungskatalog soll modernisiert werden. Verbindliche künftige Gebühren ergeben sich erst aus einer wirksamen Neuregelung. Pauschale Prognosen zu Einzelrechnungen und Versicherungsbeiträgen sind daraus nicht sicher ableitbar.
Was ändert sich für Kassenpatienten die selbst zahlen?
Auch Selbstzahler wären von einer Neuregelung ärztlicher Privatgebühren betroffen. Bis zum Inkrafttreten gilt die bestehende GOÄ. Fernberatung ist nicht erst künftig abrechenbar; GOÄ 1 und 3 nennen bereits Beratung mittels Fernsprecher.
Warum dauert die GOÄ-Reform so lange?
Die Reform betrifft die wirtschaftlichen Interessen mehrerer großer Akteure: Ärzte, private Krankenversicherungen, Beihilfestellen und Patienten. Die Verhandlungen zwischen Bundesärztekammer (BÄK) und dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) dauern seit über zehn Jahren. Zusätzlich muss die GOÄ als Rechtsverordnung der Bundesregierung vom Bundesrat gebilligt werden.
Wird die Arztrechnung mit der neuen GOÄ teurer?
Das lässt sich heute nicht für den Einzelfall sagen. BÄK und PKV-Verband rechnen für die ersten drei Jahre nach Inkrafttreten mit einem Anstieg des PKV-Ausgabevolumens um 13,2 Prozent. Das ist ein Gesamtwert über alle Leistungen. Einzelne Leistungen können teurer, andere günstiger werden. Verbindlich ist erst eine veröffentlichte Verordnung.
Betrifft die GOÄ-Novelle auch Zahnarztrechnungen?
Nein. Zahnärztliche Leistungen werden nach der GOZ abgerechnet, die eine eigene Gebührenordnung ist. Die hier beschriebene Novelle betrifft die GOÄ für ärztliche Leistungen.
Sollte ich jetzt noch Privatarzt-Leistungen in Anspruch nehmen?
Medizinische Entscheidungen sollten nicht von Gebührenreformen abhängen. Leistungen werden nach der GOÄ abgerechnet, die zum Behandlungszeitpunkt gilt. Ein Aufschieben aus Kostengründen ist daher nicht begründbar, solange keine neue Verordnung in Kraft ist.
Wo finde ich aktuelle Informationen zur GOÄ-Reform?
Offizielle Informationen veröffentlicht die Bundesärztekammer unter bundesaerztekammer.de. Der PKV-Verband (pkv.de) informiert aus Versicherungsperspektive. Diese Seite wird bei relevanten Änderungen aktualisiert, zuletzt am 21.10.2026.
Redaktion, Quellen und Methodik
Redaktionell verantwortlich: Michael Sack. Diese Seite wurde am 21.10.2026 im Rahmen des redaktionellen Quellenabgleichs zur geltenden GOÄ und zum Reformstand redaktionell überprüft. Das ist ein redaktioneller Quellenabgleich, keine fachärztliche oder gebührenrechtliche Expertenprüfung.
Grundlage der Gebührenbeispiele ist die amtliche Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) einschließlich Gebührenverzeichnis. Einzelgebühren werden aus Punktzahl, zugehörigem Punktwert und Faktor berechnet. Gebührenbeispiele sind keine erhobenen Marktpreise, vollständigen Behandlungspreise oder Erstattungszusagen. Weitere Quellen und Einschränkungen stehen bei den jeweiligen Angaben.
Berechnung, Rundung und Grenzen · Quellenstandard und Aktualisierung · Fehler melden · Impressum
Hinweis zu Gesundheit und Kosten: Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung und sind keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung. Treffen Sie medizinische Entscheidungen nicht anhand dieser Website; bei Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich an eine qualifizierte medizinische Fachperson. Kostenangaben, Rechenbeispiele und Hinweise zur Abrechnung sind unverbindliche Orientierungswerte, kein Kostenvoranschlag und keine Beurteilung einer konkreten Rechnung. Maßgeblich sind die tatsächlich erbrachten Leistungen, die individuelle Vereinbarung und die Auskunft der behandelnden Praxis beziehungsweise des zuständigen Versicherers.
Weiterlesen: GOÄ erklärt — Gebührenordnung verständlich | Steigerungsfaktor erklärt | Privatarzt-Rechnung prüfen